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Die Ortsgeschichte – Aus „Fridericiana Vallis“ wird Friedrichstal

Friedrichstal um 1795

Hugenotten aus verschiedenen Gebieten Frankreichs, Belgiens und der Schweiz fanden – nach einem mehrjährigen Aufenthalt in der Pfalz – 1699 Aufnahme in Baden. Der Markgraf Friedrich Magnus von Baden-Durlach gewährte ihnen Schutz und Privilegien. Für die Ansiedlung überließ er den Glaubensflüchtlingen eine Fläche im Hardtwald und gab dem Ort 1699 den Namen „Fridericiana Vallis“- Friedrichstal.

Die Hugenotten

Friedrichstal, die Hugenottengemeinde der badischen Hardt, ist eine der jüngsten Siedlungen unseres Raumes. Ihre Geschichte steht im Zusammenhang mit den wechselvollen Ereignissen der vergangenen Jahrhunderte in Europa.

Nachdem Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht hatte, breitete sich die Reformation rasch in Europa aus. Auch in Frankreich entstand eine große Anzahl protestantischer Gemeinden, deren Mitglieder Hugenotten genannt wurden. Es begann eine Zeit der zeitweisen Duldung, aber meist der Verfolgung und Unterdrückung. Nach der Widerrufung des Toleranzedikts von Nantes 1685 flohen viele französische Protestanten in die Nachbarländer, welche ihnen Aufnahme gewährten.

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François Dubois, „Le massacre de la Saint-Barthélemy“ – Quelle: Wikipedia

Die Gründung Friedrichstals

In Baden war es Markgraf Friedrich Magnus, der einer Gruppe von Hugenotten, Flamen und Wallonen- 70 Personen, einige davon aus der Picardie– 1699 eine Ansiedlung ermöglichte. Sie waren vorher in der Pfalz, in Billigheim und Mörlheim, wohnhaft und mussten aus politischen und religiösen Gründen eine neue Bleibe suchen. Die Verhandlungen, welche von Jacques de Gorenflo mit dem Markgrafen geführt wurden, endeten erfolgreich.

Den Siedlern wurde Land für Ackerbau, Viehzucht und zur Ortsgründung gegeben. Ein nach Osten offenes Viereck mit Brunnen in der Mitte bildete den Grundriss der neuen Gemeinde. Sie erhielt den Namen Fridericiana Vallis“- Friedrichstal. Ein Freiheitsbrief vom 10. 12. 1699 gewährte außer Religionsfreiheit und langjähriger Steuerbefreiung noch weitere Privilegien.

Tabakanbau und Industrialisierung

In den ersten Jahren bauten die Siedler nicht nur Feldfrüchte an, sondern führten auch den Tabakanbau erfolgreich ein. Friedrichstal war von Beginn an die führende Tabakbaugemeinde in der Region. Es entstanden um 1850 zahlreiche Firmen, die sich dem Ankauf, der Lagerung und Fermentation sowie dem Verkauf von Tabak widmeten. Auch die Zigarrenfabrikation war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Tabak-Bandaliere

Tabak-Bandaliere

In der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts baute man auch zunehmend Spargel an. Mit Beginn der Industrialisierung wurde die Landwirtschaft allmählich zum Nebenerwerb, da viele Einwohner in Karlsruhe einer Arbeit nachgingen. Heute bieten einige Gewerbebetriebe, wie auch das Forschungszentrum in Leopoldshafen Arbeitsplätze in der Nähe.

Die heutige evangelische Kirche wurde nach dem Abriss des 1726 erbauten Holzkirchleins 1830 eingeweiht. Durch den Zustrom vieler Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg nahm die Einwohnerzahl stark zu. Es entstanden neue Wohngebiete sowie 1959 eine moderne katholische Kirche.

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Evangelische Kirche Friedrichstal – Quelle: Wikipedia

1895 baute man den Endabschnitt der Rheintalbahn zwischen Mannheim und Karlsruhe neu aus. Die Eisenbahn teilte nun zwar den Ort, brachte aber durch den einfacheren und schnelleren Transport von Waren und Passagieren neuen Aufschwung. Seit 2006 verbindet auch die Stadtbahn Friedrichstal mit vielen Zielen in der Region.

Friedrichstal heute

Mit der Gemeindereform 1975 schloss sich Friedrichstal zusammen mit Spöck, Staffort, Blankenloch und Büchig zur neuen Großgemeinde Stutensee,- benannt nach dem zentral gelegenen Rokokoschlösschen- zusammen. 1998 wurde Stutensee, mit nun weit über 20.000 Einwohnern, zur „Großen Kreisstadt“ erhoben.

Die seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft mit der Gemeinde St. Riquier in Frankreich konnte 1982 offiziell besiegelt werden und bildet durch häufige Begegnungen eine lebendige Brücke zur alten Heimat.

Exponate und Texte zur Ortsgeschichte finden sich im Heimat- und Hugenottenmuseum.

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