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Friedrichstal um 1795

Die Ortsgeschichte – Aus „Fridericiana Vallis“ wird Friedrichstal

Hugenotten aus verschiedenen Gebieten Frankreichs, Belgiens und der Schweiz fanden – nach einem mehrjährigen Aufenthalt in der Pfalz – 1699 Aufnahme in Baden. Der Markgraf Friedrich Magnus von Baden-Durlach gewährte ihnen Schutz und Privilegien. Für die Ansiedlung überließ er den Glaubensflüchtlingen eine Fläche im Hardtwald und gab dem Ort 1699 den Namen „Fridericiana Vallis“- Friedrichstal.

Die Hugenotten

Friedrichstal, die Hugenottengemeinde der badischen Hardt, ist eine der jüngsten Siedlungen unseres Raumes. Ihre Geschichte steht im Zusammenhang mit den wechselvollen Ereignissen der vergangenen Jahrhunderte in Europa.

Nachdem Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht hatte, breitete sich die Reformation rasch in Europa aus. Auch in Frankreich entstand eine große Anzahl protestantischer Gemeinden, deren Mitglieder Hugenotten genannt wurden. Es begann eine Zeit der zeitweisen Duldung, aber meist der Verfolgung und Unterdrückung. Nach der Widerrufung des Toleranzedikts von Nantes 1685 flohen viele französische Protestanten in die Nachbarländer, welche ihnen Aufnahme gewährten.

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François Dubois, „Le massacre de la Saint-Barthélemy“ – Quelle: Wikipedia

Die Gründung Friedrichstals

In Baden war es Markgraf Friedrich Magnus, der einer Gruppe von Hugenotten, Flamen und Wallonen- 70 Personen, einige davon aus der Picardie– 1699 eine Ansiedlung ermöglichte. Sie waren vorher in der Pfalz, in Billigheim und Mörlheim, wohnhaft und mussten aus politischen und religiösen Gründen eine neue Bleibe suchen. Die Verhandlungen, welche von Jacques de Gorenflo mit dem Markgrafen geführt wurden, endeten erfolgreich.

Den Siedlern wurde Land für Ackerbau, Viehzucht und zur Ortsgründung gegeben. Ein nach Osten offenes Viereck mit Brunnen in der Mitte bildete den Grundriss der neuen Gemeinde. Sie erhielt den Namen Fridericiana Vallis“- Friedrichstal. Ein Freiheitsbrief vom 10. 12. 1699 gewährte außer Religionsfreiheit und langjähriger Steuerbefreiung noch weitere Privilegien.

Tabakanbau und Industrialisierung

In den ersten Jahren bauten die Siedler nicht nur Feldfrüchte an, sondern führten auch den Tabakanbau erfolgreich ein. Friedrichstal war von Beginn an die führende Tabakbaugemeinde in der Region. Es entstanden um 1850 zahlreiche Firmen, die sich dem Ankauf, der Lagerung und Fermentation sowie dem Verkauf von Tabak widmeten. Auch die Zigarrenfabrikation war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Tabak-Bandaliere

Tabak-Bandaliere

In der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts baute man auch zunehmend Spargel an. Mit Beginn der Industrialisierung wurde die Landwirtschaft allmählich zum Nebenerwerb, da viele Einwohner in Karlsruhe einer Arbeit nachgingen. Heute bieten einige Gewerbebetriebe, wie auch das Forschungszentrum in Leopoldshafen Arbeitsplätze in der Nähe.

Die heutige evangelische Kirche wurde nach dem Abriss des 1726 erbauten Holzkirchleins 1830 eingeweiht. Durch den Zustrom vieler Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg nahm die Einwohnerzahl stark zu. Es entstanden neue Wohngebiete sowie 1959 eine moderne katholische Kirche.

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Evangelische Kirche Friedrichstal – Quelle: Wikipedia

1895 baute man den Endabschnitt der Rheintalbahn zwischen Mannheim und Karlsruhe neu aus. Die Eisenbahn teilte nun zwar den Ort, brachte aber durch den einfacheren und schnelleren Transport von Waren und Passagieren neuen Aufschwung. Seit 2006 verbindet auch die Stadtbahn Friedrichstal mit vielen Zielen in der Region.

Friedrichstal heute

Mit der Gemeindereform 1975 schloss sich Friedrichstal zusammen mit Spöck, Staffort, Blankenloch und Büchig zur neuen Großgemeinde Stutensee,- benannt nach dem zentral gelegenen Rokokoschlösschen- zusammen. 1998 wurde Stutensee, mit nun weit über 20.000 Einwohnern, zur „Großen Kreisstadt“ erhoben.

Die seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft mit der Gemeinde St. Riquier in Frankreich konnte 1982 offiziell besiegelt werden und bildet durch häufige Begegnungen eine lebendige Brücke zur alten Heimat.

Exponate und Texte zur Ortsgeschichte finden sich im Heimat- und Hugenottenmuseum.

Alte Kinderspiele

Alte Kinderspiele im und ums Museum

Das Modellprojekt „Bildungshaus“ ist eine Initiative des Kultusministeriums Baden- Württemberg. Auch die Friedrich- Magnus-Schule in Friedrichstal nimmt daran teil. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Kindergarten steht dabei im Vordergrund. Gemeinsame Lern- und Spielzeiten sind zentrale Elemente.

Kinderspiele aus der Zeit um 1540

Der Abschluss des diesjährigen Projekts fand an zwei Terminen im Heimat- und Hugenottenmuseum statt (16. und 23. Juli). Nach einer kleinen Einführung in die ungewohnte Umgebung- das alte Schulhaus, jetzt ein Museum- durften sich die Schul- und Kindergartenkinder (2. Klasse, letztes Kindergartenjahr) ein bekanntes Bild ansehen.

Alte Kinderspiele
Bild von Pieter Brueghel

Es stammt von dem niederländischen Maler Pieter Brueghel und zeigt 91 Kinderspiele aus der Zeit um 1540. Mit erstaunlicher Konzentration und Geschwindigkeit fanden die Kinder Spiele wieder, die es jetzt noch gibt oder aus der Zeit der Großeltern überliefert sind- z. B. Stelzenlaufen, Reifen schlagen oder „Blinde Kuh“.

Auf dem Weg zum Geschichtsverständnis

Das große Modell des Stutenseer Schlosses und ein altes Spinnrad boten dann Anlass, das Singspiel „Dornröschen“ aufzuführen. Es war ein ungewohntes und schönes Bild- fröhlich tanzende Kinder in einem Saal des Museums! Auf diese Weise erlebten die kleinen Gäste, dass ein Besuch in einer solchen Einrichtung interessant und unterhaltsam sein kann und sich die Erforschung der weiteren Räume, auch mit den Eltern, sicher lohnt- ein erster Schritt auf dem Weg zum Geschichtsverständnis.

Alte Kinderspiele
Alte Kinderspiele (1)

Auf diese Weise erlebten die kleinen Gäste, dass ein Besuch in einer solchen Einrichtung interessant und unterhaltsam sein kann und sich die Erforschung der weiteren Räume, auch mit den Eltern, sicher lohnt- ein erster Schritt auf dem Weg zum Geschichtsverständnis

Alte Spiele unter Anleitung

Anschließend konnten im Freien an verschiedenen Stationen alte Spiele unter Anleitung ausprobiert werden. Murmeln wurden gerollt, Boulekugeln geworfen, „Himmel und Hölle“ durchhüpft, und auch der modernere Gummitwist fand großen Anklang. An der Ruhebank durften dazu Kreisel gedreht werden, und beim Seifenblasen staunten die Kinder, wie die in allen Farben des Regenbogens schillernden Gebilde in der warmen Sommerluft zerplatzten.

Alte Kinderspiele
Alte Kinderspiele (2)

Folgende Akteure haben das Projekt vorbereitet und durchgeführt:

  • Museum: Ursula Heckmann
  • Turnverein: Birgit Hofmann
  • Schule: Gabi Bisoli, Verena Virzi
  • Kindergarten: Regina Erath, Gabi Leisk

Bericht zur Jahres-Hauptversammlung 2019

Wasserschaden brachte viel Arbeit

Bei der Jahreshauptversammlung des Museumsvereins berichtete der 1. Vorstand Erich Borell über zahlreiche abgeschlossene Maßnahmen im Museum und noch laufende Projekte. 

Am 25. 7. 2018 musste eine außerordentliche Mitgliederversammlung wegen einer Satzungsänderung einberufen werden. Sie wurde dann durch das Amtsgericht bestätigt, so dass diese langwierige Angelegenheit nun abgeschlossen werden konnte.

Zu den Sonderöffnungszeiten wie Tag des offenen Denkmals, Kerwe und Weihnachtsmarkt kamen viele Gäste in das Museum. Besonderen Anklang fand der Internationale Museumstag mit Speicherflohmarkt. Die Besucher durften im Speicher stöbern und überzählige Gegenstände erwerben. Auch vor und nach diesem Termin konnten weitere Exponate abgegeben werden.

Die Führungen durch das Museum waren sehr gefragt– Gruppen privater Art, Kindergärten, Freunde aus der Partnerschaft Saint Riquier sowie die neue Oberbürgermeisterin Frau Becker waren dabei.

Artikel in den Medien und die von Martin Heckmann gepflegte Homepage unterstützten die Öffentlichkeitsarbeit.

Dadurch ergaben sich auch verschiedene Anfragen aus den USA zur Ahnenforschung, die nicht immer leicht zu beantworten waren. Eine zentrale Sammlung, digitale Sicherung und Archivierung von historischen Urkunden, Bildern, Texten und Berichten zur Orts- und Familiengeschichte wäre eine wichtige Aufgabe für die Zukunft- so die Schriftführerin Ursula Heckmann. In ihren Ausführungen wies sie auf die Maßnahmen zur Verbesserung der Dauerausstellung des Museums hin. Eine Beratung dazu erfolgte vor Ort durch Herrn Dr. Burkardt von der Museumsberatungsstelle des Landes Baden- Württemberg, der wichtige Impulse zu den verschiedenen Anliegen des Museumsvereins gab.

Im „Neuen Saal“ konnten nun zwei von Kerstin Aberle gefertigte Teile aufgebaut werden- das Podest für das Modell des kleinen Kirchleins und der Schrank zur Ummantelung des Waschbeckens.

Eine größere Aufgabe war die schon länger geplante und mit der Baubürgermeisterin Frau Tröger abgesprochene Entrümpelung des Speichers. Nach Kennzeichnung der noch zu verbleibenden Gegenstände konnte eine Alteisenfirma die schweren Metallgegenstände mitnehmen. Anschließend erfolgte an zwei Tagen die restliche Leerung durch den Bauhof.

Was die Mitglieder des Vorstands aber ein halbes Jahr intensiv beschäftigte, war der Wasserschaden in Küche und Treppenhaus. Nachdem, bedingt durch einen defekten Heizkörper, Wasser in das Erdgeschoss floss, galt es vielseitige Maßnahmen zu ergreifen: Termine mit Vertretern der Stadt, des Bauamts, des Bauhofs, der Versicherung und der Sanierungsfirma. Arbeiten wie Trocknung, Abtragen des Putzes, Streichen und Reinigen wurden vom Verein vor Ort begleitet. Auch das vom 2. Vorstand Dieter Hengst betreute Aus- und Einräumen der Küche, die Reinigung der Exponate und die Neugestaltung waren aufwändige Arbeiten. Aus verschiedenen Gründen verzögerte sich die Sanierung leider mehrmals, so dass das Museum erst zum Internationalen Museumstag im Mai wieder eröffnet werden konnte.

Die Kontakte zur Stadt verstärkten sich in den letzten Monaten. Frau Gatzke, Mitarbeiterin von OB Becker, war für uns auf einer Tagung zum Thema Zukunft der Heimatmuseen- die Ergebnisse müssen noch ausgewertet werden. Zusammen mit Herrn Stiegeler unterbreitete sie auch das Angebot, gemeinsam mit den beiden anderen Heimatvereinen, zeitweise den Stand der Stadt auf der Offerta zum Thema Geschichte/Ortsgeschichte zu betreuen. Die Planungen laufen gerade an.

Ein erfreulicher Punkt der Tagesordnung war die Neuwahl des Kassiers. Mit Bernd Hofmann hat ein erfahrener Bankfachmann das Amt übernommen, so dass Erich Borell, der den Posten kommissarisch verwaltete, entlastet werden konnte.

Oberbürgermeisterin zu Besuch im Heimatmuseum

Hohe Dichte an Aktivitäten

Ein Rückblick auf die letzten Monate des vergangenen Jahres zeigt auf, wie dicht sich die Aktivitäten des Vereins aneinanderreihten. Der „Tag des offenen Denkmals“ mit Museumsflohmarkt, Kerwe und Weihnachtsmarkt lockten zahlreiche Gäste ins Museum. Dazu gab es verschiedene Führungen mit Gruppen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Besuch der Oberbürgermeisterin

Auf Einladung des Heimatvereins stattete die Stutenseer Oberbürgermeisterin im Dezember dem Museum einen Besuch ab. In entspannter Atmosphäre konnte sich Petra Becker in den ehemaligen Schulräumen umsehen, in welchen sie ihre Grundschulzeit verbrachte. Viele Erinnerungen wurden dabei aufgefrischt, über Namen von Mitschülern und Lehrern nachgedacht und im historischen Klassenzimmer Fotos, Bücher und Hefte von vorausgegangenen Schülergenerationen betrachtet.

Besonders die Exponate der Ortsgeschichte, wie z. B. die Amtskette der früheren Bürgermeister, stießen bei der Besucherin auf großes Interesse.

Oberbürgermeisterin Petra Becker

Kultur fördern

Im anschließenden Gespräch mit dem Vorstand des Museumsvereins, Erich Borell und der Schriftführerin Ursula Heckmann erläuterte die Oberbürgermeisterin ihre Gedanken und Pläne, welche den Ortsteil Friedrichstal betreffen. Ein besonderes Anliegen ist ihr, den Bereich der Kultur zu fördern und dabei auch die historischen Zusammenhänge bei der Entwicklung der einzelnen Ortsteile sowie der Stadt Stutensee ins Blickfeld zu stellen.

Wichtig sei ihr daher die Zusammenarbeit aller Institutionen sowie die Einbeziehung der Heimatvereine. Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass bei diesen Vorhaben das Heimat- und Hugenottenmuseum ebenfalls eine entsprechende Rolle spielen kann.

Zum Abschluss wurde Frau Becker noch eine Mappe mit Bildern und Texten zur Geschichte der Hugenotten, der Ortsgeschichte und Vorschlägen zur Weitergestaltung des Museums überreicht.

Bericht über den Speicher-Flohmarkt in der BNN

Die Badischen Neuesten Nachrichten hat in ihrer Ausgabe am 14. Mai 2018 über den Speicher-Flohmarkt beim Museumsverein in Friedrichstal berichtet. Hier die Zusammenfassung des Artikels „Klarinette als Dekorationsstück“.

Klarinette als Dekorationsstück

Speicher-Flohmarkt beim Museumsverein in Friedrichstal

Stutensee-Friedrichstal (hom.) Das war ein Schnäppchen: Theo Jungmann aus Leopoldshafen ist passionierter Flohmarkt-Gänger. Im Heimat- und Hugenottenmuseum Friedrichstal hat er eine Klarinette und weiteren Krimskrams wie etwa alten Christbaumschmuck gefunden und für 20 Euro erworben. Bei dem Instrument testet er, ob es noch bespielbar ist. Ansonsten kommt es zur Dekoration an die Wand. Eine Frau wäre an dem weihnachtlichen Schmuck auch interessiert gewesen, aber da hatte er den Besitzer bereits gewechselt. Auch ein Zieheisen für die Schnitzbank oder ein Spinnrad hat sie nicht gefunden. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Erich Borell, meinte hierzu, man dürfe nicht gezielt zu einem Flohmarkt kommen. Ohne besondere Wünsche finde man ganz bestimmt eher etwas. Wie es der Frau denn doch erging. Bei Schriftführerin Ursula Heckmann, die an der Kasse saß, konnte sie aus den Beständen eines aufgelösten Karlsruher Hutgeschäfts günstig ein Strohhütchen erwerben, das ihr nach einhelliger Auffassung gut stand.

Das Museum im Oskar-Hornung-Haus nutzte den gestrigen Internationalen Museumstag, um einen Speicher-Flohmarkt zu veranstalten. Die Lagerstätten des Hauses sollten von vielen Dingen befreit werden, die sich in der Vergangenheit angesammelt hatten und doch nicht in die Sammlungen zur Ausstellung passten. Zusammen gekommen waren sie auf ganz unterschiedliche Weise, wie die ehemalige Lehrerin Ursula Heckmann zu berichten wusste. Da war etwa die Sammelleidenschaft des Museumsgründers Gustav Gorenflo. Oder Dinge, die ihm oder dem Museum gebracht wurden. Oder Schenkungen. Weiteres ist auf vielfältige andere Art in den Besitz des Museums gekommen und stand nun zum Verkauf.

Wie etwa zahlreiche alte Röhrenradios oder Kinder- und Puppenwagen und verschiedene Utensilien der einstmals in Friedrichstal ansässigen Tabakindustrie. Oder fußbetriebene Nähmaschinen. Deren hölzerne Hauben auf Interesse stießen, die aber nicht einzeln zu haben waren. Sicherlich nicht im Sinne der Museumsleute war der Hinweis, dass es solche Überdeckungen bei eBay gibt.

Borell und Heckmann freuten sich, dass trotz nicht gerade ansprechenden Wetters der Publikumszuspruch von Anfang an gut war. Den während der sechs Stunden erzielen Erlös – er lag pro Verkauf zwischen einem und 60 Euro – wollen sie dazu nutzen, neue Prospekte für das Museum zu fertigen, zwei Podeste für besondere Ausstellungsstücke herstellen zu lassen, die Beschriftungen an een Exponaten lichtfester zu gestalten und die Einrichtungen insgesamt ansprechender zu gestalten.

Text: Rüdiger Homberg

BU:

STOLZ AUF DIE ALTE KLARINETTE: Theo Jungmann hat das Instrument und weiteres beim Friedrichstaler Speicher-Flohmarkt gekauft. Foto: Homberg

Bericht zur Jahres-Hauptversammlung 2018

Jahreshauptversammlung des Museumsvereins 2018

Arbeitsreiches Jahr 2017

Das vergangene Jahr war für den Museumsverein sehr arbeitsreich, berichtete der 1. Vorstand, Erich Borell. Das Museum konnte zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten an sechs weiteren Tagen bzw. Wochenenden besucht werden- z. B. am Marktplatzfest.

Die Schriftführerin Ursula Heckmann erklärte, dass bei dieser Gelegenheit auch der neue Flyer- ein Gemeinschaftsprojekt von Partnerschaftsausschuss (Saint Riquier) und Museumsverein– vorgestellt wurde. Dort ist nun auch das neugestaltete Logo eingefügt, ebenso wie auf der Homepage, auf Facebook und verschiedenen Drucksachen.

Verbesserung der Dauerausstellung

Die weitere Verbesserung der Dauerausstellung hatte ihren Schwerpunkt im Saal der Picardie, wo in den Vitrinen und an den Stellwänden die Exponate ergänzt und neu dekoriert wurden. Dazu erhielten unter anderem ein schöner Waschtisch und ein historisch interessanter Spiegel ihren Platz in den Wohnräumen.

Eine schon sehr lange angebahnte Maßnahme fand nun im Frühjahr ihren Abschluss – die vollständige Räumung des feuchten Kellers mit den dort gelagerten Gegenständen. Der Innen- wie auch der Außenhof konnten durch die Gemeindearbeiter von Wildwuchs und Schutt befreit werden. Weitere Maßnahmen sind ebenso bezüglich des Speichers geplant.

Weiterführung der Heimatblätter

Die von Dieter Hengst herausgegebenen Heimatblätter sollen in loser Folge weitergeführt werden. Es ist vorgesehen, dazu und für weitere historische Darstellungen die vorhandenen Dokumente und Fotos nicht nur aus dem Museum sondern möglichst auch aus dem Besitz Friedrichtaler Bürger zu digitalisieren.

Um das Interesse der Neubürger an der Ortsgeschichte zu wecken, hatten Ortsvorsteher Lutz Schönthal und der Museumsverein diese und weitere Besucher der Kerwe zu Führungen im alten Ortsteil eingeladen, die gut angenommen wurden.

Erfolgreiches Tabakprojekt

Das Projekt Tabak war auch im vergangenen Jahr erfolgreich, das „Spektakulum Lenin in Stutensee“ wurde tatkräftig vom Verein unterstützt und die Baumaßnahmen am alten Standpunkt des Karlsfeld- Denkmals brachten eine alte Münzkassette zutage.

Neue Zusammensetzung der Vorstandschaft

Die Neuwahlen ergaben folgende Zusammensetzung der Vorstandschaft:
1. Vorsitzender: Erich Borell
2. Vorsitzender: Dieter Hengst
Schriftführerin: Ursula Heckmann
Beisitzer: Ewald Ratz, Luitgard Mitzel, Edgar Herlan, Hans Böhm

Der langjährige Kassier Herbert Scheid gab bedauerlicherweise sein Amt aus zeitlichen Gründen ab- der 1. Vorsitzende wird es vorläufig kommissarisch verwalten.

Vorankündigung: Am Internationalen Museumstag, Sonntag, 13. Mai, ist das Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Bericht über das Tabakprojekt in der BNN

Die Badischen Neuesten Nachrichten hat in ihrer Ausgabe am 29. Dezember 2017 über das Tabakprojekt des Heimatmuseums Friedrichstal berichtet. Hier die Zusammenfassung des Artikels „Tabakexperten gesucht“.

Tabakexperten gesucht

Eine Projektgruppe möchte das Wissen über die Zigarrenproduktion erhalten

Stutensee-Friedrichstal (ml). Zufrieden begutachten Ursula Heckmann, Edgar Herlan, Lutz Schönthal und Erich Borell den Trocknungsgrad der aufgehängten Tabakblätter. Optimal getrocknet aber noch geschmeidig genug, um nicht brüchig zu werden, präsentiert sich das Erntegut aus den Jahren 2016 und 2017. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Quartett die Projektgruppe Tabak gegründet, mit dem Ziel, den Tabakanbau in Friedrichstal nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Lutz Schönthal hatte Samen besorgt und im eigenen Garten Pflanzen gezogen (wir berichteten). Blatt für Blatt wurden die Stängel abgeerntet, die Blätter sachkundig eingefädelt und zum Trocknen aufgehängt.

Dann kam die Schwierigkeit. Sind die Blätter im richtigen Trockenheitsgrad, müssen sie fermentiert werden. Denn nur durch diesen Prozess der Gärung bei einer gleichbleibenden Temperatur von 50 bis 60 Grad Celsius über mehrere Wochen entwickeln sich die typischen Tabakaromen. Es gibt durchaus Firmen in Tabakanbaugebieten, die das übernehmen, aber die Menge, die die vier Hobby-Tabakbauern aus ihrem Projekt ernten konnten, war viel zu klein, um sortenrein verarbeitet zu werden. Aber ein Zusammenmischen mit anderen Sorten war von beiden Seiten nicht erwünscht. Also blieb der Tabak zunächst hängen. In diesem Jahr wurde das Experiment fortgesetzt und wiederum gedieh alles prächtig bis zu diesem Stadium.

2016 und 2017 brachten gute Ernte

Nun hängen die Bündel in der Scheune und gerne würden sich die vier Amateure beraten lassen, wo und auf welche Weise sie ihren Tabak fermentieren lassen könnten und darüber hinaus weitere Interessierte zu ihrem Projekt dazugewinnen. Wer Erfahrungen hat und die Gruppe unterstützen möchte, wird gebeten, über die homepage des Museums Kontakt aufzunehmen. Sollte es tatsächlich gelingen, so wäre der nächste Schritt, Zigarren aus ganzen Blättern zu rollen. „Unser Ziel ist“, sagt Lutz Schönthal, „das Wissen um den Tabakanbau und die Verarbeitung zu erhalten und an die kommenden Generationen weiterzugeben.“ „Und die einstige Bedeutung Friedrichstals als eine der größten Tabakanbaugemeinden der Region herauszustellen“, ergänzt Ursula Heckmann.

Sie, Edgar Herlan und Erich Borell betreuen das Heimat- und Hugenottenmuseum, das dem Thema eine komplette Abteilung widmet. Hier wird gezeigt, wie Zigarren gerollt werden, welches Werkzeug dazu benötigt wird, an einer Litfaßsäule hängen entsprechende Fotos und Texte, die die einzelnen Arbeitsgänge schildern. „Der Tabak hat die Menschen das ganze Jahr beschäftigt“, erinnert sich Edgar Herlan. „Säen, Pikieren, Auspflanzen, Ernten macht das ganze Jahr über viel Arbeit“. Legendär und sinnbildlich für Neulinge, die zum ersten Mal vom Tabakanbau erfahren, ist das Einfädeln. Hier sitzen Frauen und manchmal auch größere Kinder im Kreis und fädeln die Tabakblätter auf lange Schnüre zum Aufhängen, wobei gesungen, erzählt und gelacht wurde. Gern würde die Gruppe weitere Mitstreiter aufnehmen und ihr Versuchsprojekt im dauerhaften Austausch festigen und weiterentwickeln.

Tabakexperten gesucht: Erich Borell beim "Einfädeln"

Erich Borell beim „Einfädeln“

Tag des offenen Denkmals: Kleidung

Tag des offenen Denkmals in der BNN – Pracht im Großen und Kleinen

Die Badischen Neuesten Nachrichten hat in ihrer Ausgabe am 11. September über den „Tag des offenen Denkmals“ im Heimatmuseum Friedrichstal berichtet. Hier die Zusammenfassung des Artikels „Pracht im Großen und Kleinen“.

Pracht im Großen und Kleinen

Zum Tag des offenen Denkmals geben historische Gebäude Einblicke

Stutensee-Friedrichstal (awe). Um Mottos zum „Tag des offenen Denkmals“ inhaltlich nahe zu kommen, ist oft Fantasie gefragt. Beim Friedrichstaler Heimatmuseum, das sich mit vielen Exponaten aus Alltags-, Gemeinde- und Arbeitsleben schwerpunktmäßig der Geschichte der Hugenotten widmet, scheint sich das Thema „Macht und Pracht“ auf den ersten Blick nicht wirklich aufzudrängen.

Die breiter gefächerten Spielräume, die dieses indessen lässt, nutzten die Aktiven des Vereins „Heimat- und Hugenottenmuseum „Alt Friedrichsthal“ flexibel. „Geht man mit offenen Augen durch die Räume, dann findet sich in allen möglichen Ecken etwas“, sagt Schriftführerin Ursula Heckmann und weiß dies auch anhand ausgewählter Stücke gut zu vermitteln.

Brautkrönchen brachten Glanz ins Haus

Da passen gar speziell zum Hochzeitjubiläum, zur Taufen oder Konfirmation gefertigte Tassen, die die Menschen daheim in Vitrinen präsentierten oder das kunstvoll eingerahmte Brautkrönchen. Beispiele dafür, wie einst auf schlichte Weise etwas Glanz ins Haus gebracht worden sei, erläutert Ursula Heckmann. Nicht zu vergessen Kleidungsstücke, die nur an besonderen Tagen aus dem Schrank geholt wurden. Dafür wurden auch schöne Hochzeitskleider wie im Fundus aus cremefarbener Seide oder schwarzer Spitze nach dem Jubeltag umgearbeitet.

Ist das ein recht bescheidener Ausdruck von Pracht, so verweisen Uniformen aus dem Ersten Weltkrieg konkret auf ein dunkles Kapital von „Macht“. Aufwändig gestaltete Militärkrüge geben ein Bespiel dafür, wie Krieg und Soldatentum einst gar verherrlicht wurde.

Tag des offenen Denkmals: Geschichtliches anhand von Exponaten wie Uniformen oder Modellen vermittelten Erich Borell und Ursula Heckmann den Besuchern des Heimatmuseums Friedrichtal

Uniformen aus dem ersten Weltkrieg verweisen auf ein dunkles Kapitel von Macht

Das zum 300. Geburtstag Friedrichstals entstandene große Modell von Schloss Sturensee mag da an die Macht früherer Herrscherhäuser gemahnen. Dasjenige des der 1830 erbauten evangelischen Kirche gewichenem Holzkirchleins an kirchliche oder göttliche Macht. Dem Denkmalgedanken werden die allemal gerecht, ebenso wie das Museum selbst, das im Schulhaus von 1873 seine Heimstatt fand. Nun ist das zwar nicht gerade ein Prachtbau, der Aspekt „Macht“ aber wohnt ihm gewiss inne, gerade wenn man an noch weitaus gestrengere Zeiten im Schülerdasein denkt.

Doch bei allen Detailerkundungen verinnerlicht das Museum, wie im Hugenottensaal dokumentiert, geschichtlich betrachtet natürlich sehr Macht und Pracht. Wurden die Hugenotten nicht unterdrückt, verfolgt, getötet und zur Flucht genötigt in Zeiten eines prunkvollen höfischen Absolutismus?

Fotos: Werner
Geschichtliches anhand von Exponaten wie Uniformen oder Modellen vermittelten Erich Borell  und Ursula Heckmann den Besuchern des Heimatmuseums Friedrichstal.

Bericht zur Jahres-Hauptversammlung 2017

Jahreshauptversammlung des Museumsvereins 2017

Gestiegene Besucherzahlen

Von Aktivitäten und Projekten verschiedenster Art und gestiegenen Besucherzahlen wusste der 1. Vorsitzende Erich Borell in seinem Überblick zu berichten. Zusätzlich zu den üblichen Öffnungszeiten konnte das Museum auch am Internationalen Museumstag, am Tag des Offenen Denkmals, am Weihnachtsmarkt und am Kerwesonntag besichtigt werden.

Dieser stand erstmalig unter dem Motto „Auf den Spuren der Hugenotten“. Von geschichtskundigen Mitarbeitern angebotene Führungen im alten Ortsteil um das Museum fanden regen Zuspruch.

Die von Martin Heckmann weiterentwickelte und betreute Homepage und die neue Facebook-Seite wurden gut angenommen, was sich auch in zahlreichen Kontakten und Anfragen zeigte.

Lenin in Friedrichstal

Die Theater- Akteure von „Werkraum Karlsruhe“ konnten für ihr Projekt „Lenin in Stutensee“ nach mehreren Museumsbesuchen auch hilfreiche Unterlagen zum Thema Tabak erhalten. Herr Metzner verwies uns dabei auf weitere Werke Lenins.

Einige davon brachten die Erkenntnis, dass Lenin in mehreren Kapiteln die Dissertation von Moritz Hecht aus Blankenloch zum Thema Landwirtschaft auswertete und dabei häufig Friedrichstal und seinen Tabakbau erwähnte. Für das nun entstandene Theaterprojekt werden von den sachkundigen Mitarbeitern des Museumsvereins weiterhin Ratschläge gegeben und Requisiten für die Aufführungen Anfang August zur Verfügung gestellt.

Thema Tabak im Vordergrund

Der von Ortsvorsteher Lutz Schönthal initiierte und durchgeführte Anbau alter Tabaksorten wurde von Aktiven des Museumsvereins begleitet und dokumentiert. Dazu wurde auch die Tabakausstellung neu eingerichtet. Beisitzer Edgar Herlan ergänzte diese Informationen durch ein chronologisches Protokoll.

Wie Lutz Schönthal ebenfalls darstellte, sind die Reparaturen im Museum in vollem Gang, so dass dadurch die geplante Neugestaltung in verschiedenen Bereichen einen besseren Rahmen erhalten kann. Großen Anklang fanden die beiden Ausgaben der „Heimatblätter“ mit historischen Geschichten, Gedichten und Bildern aus Friedrichstal, welche vom 2. Vorstand Dieter Hengst und seinem Team herausgegeben wurden.

Erfreulicherweise erklärte sich Herbert Scheid bereit, weiterhin bis zu den Neuwahlen nächstes Jahr als Kassier im Amt zu bleiben.

Erstausgabe Heimatblätter erhältlich

Die erste Ausgabe der „Heimatblätter“ liegt nun vor. Sie enthält Lebensberichte, Gedichte und Fotos aus alter Zeit. Anlass dazu war, dass uns in letzter Zeit Biographien und Erlebnisberichte Friedrichstaler Bürger zur Verfügung gestellt wurden.

Von diesen spannenden und aufschlussreichen Einblicken in die Vergangenheit wollten wir (Dieter Hengst, Mitglieder des Vorstands und Klaus Füßler) eine Auswahl in einem ersten Heft- und evtl. folgenden- geschichtlich Interessierten präsentieren. 

Für die Mitglieder des Museumsvereins ist es ein Weihnachtsgeschenk, weitere Exemplare können zum Preis von 2,00 € im Museum oder bei Erich Borell (Tel.: 07249-6075) erworben werden.