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Friedrichstal um 1795

Die Ortsgeschichte – Aus „Fridericiana Vallis“ wird Friedrichstal

Hugenotten aus verschiedenen Gebieten Frankreichs, Belgiens und der Schweiz fanden – nach einem mehrjährigen Aufenthalt in der Pfalz – 1699 Aufnahme in Baden. Der Markgraf Friedrich Magnus von Baden-Durlach gewährte ihnen Schutz und Privilegien. Für die Ansiedlung überließ er den Glaubensflüchtlingen eine Fläche im Hardtwald und gab dem Ort 1699 den Namen „Fridericiana Vallis“- Friedrichstal.

Die Hugenotten

Friedrichstal, die Hugenottengemeinde der badischen Hardt, ist eine der jüngsten Siedlungen unseres Raumes. Ihre Geschichte steht im Zusammenhang mit den wechselvollen Ereignissen der vergangenen Jahrhunderte in Europa.

Nachdem Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht hatte, breitete sich die Reformation rasch in Europa aus. Auch in Frankreich entstand eine große Anzahl protestantischer Gemeinden, deren Mitglieder Hugenotten genannt wurden. Es begann eine Zeit der zeitweisen Duldung, aber meist der Verfolgung und Unterdrückung. Nach der Widerrufung des Toleranzedikts von Nantes 1685 flohen viele französische Protestanten in die Nachbarländer, welche ihnen Aufnahme gewährten.

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François Dubois, „Le massacre de la Saint-Barthélemy“ – Quelle: Wikipedia

Die Gründung Friedrichstals

In Baden war es Markgraf Friedrich Magnus, der einer Gruppe von Hugenotten, Flamen und Wallonen- 70 Personen, einige davon aus der Picardie– 1699 eine Ansiedlung ermöglichte. Sie waren vorher in der Pfalz, in Billigheim und Mörlheim, wohnhaft und mussten aus politischen und religiösen Gründen eine neue Bleibe suchen. Die Verhandlungen, welche von Jacques de Gorenflo mit dem Markgrafen geführt wurden, endeten erfolgreich.

Den Siedlern wurde Land für Ackerbau, Viehzucht und zur Ortsgründung gegeben. Ein nach Osten offenes Viereck mit Brunnen in der Mitte bildete den Grundriss der neuen Gemeinde. Sie erhielt den Namen Fridericiana Vallis“- Friedrichstal. Ein Freiheitsbrief vom 10. 12. 1699 gewährte außer Religionsfreiheit und langjähriger Steuerbefreiung noch weitere Privilegien.

Tabakanbau und Industrialisierung

In den ersten Jahren bauten die Siedler nicht nur Feldfrüchte an, sondern führten auch den Tabakanbau erfolgreich ein. Friedrichstal war von Beginn an die führende Tabakbaugemeinde in der Region. Es entstanden um 1850 zahlreiche Firmen, die sich dem Ankauf, der Lagerung und Fermentation sowie dem Verkauf von Tabak widmeten. Auch die Zigarrenfabrikation war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Tabak-Bandaliere
Tabak-Bandaliere

In der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts baute man auch zunehmend Spargel an. Mit Beginn der Industrialisierung wurde die Landwirtschaft allmählich zum Nebenerwerb, da viele Einwohner in Karlsruhe einer Arbeit nachgingen. Heute bieten einige Gewerbebetriebe, wie auch das Forschungszentrum in Leopoldshafen Arbeitsplätze in der Nähe.

Die heutige evangelische Kirche wurde nach dem Abriss des 1726 erbauten Holzkirchleins 1830 eingeweiht. Durch den Zustrom vieler Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg nahm die Einwohnerzahl stark zu. Es entstanden neue Wohngebiete sowie 1959 eine moderne katholische Kirche.

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Evangelische Kirche Friedrichstal – Quelle: Wikipedia

1895 baute man den Endabschnitt der Rheintalbahn zwischen Mannheim und Karlsruhe neu aus. Die Eisenbahn teilte nun zwar den Ort, brachte aber durch den einfacheren und schnelleren Transport von Waren und Passagieren neuen Aufschwung. Seit 2006 verbindet auch die Stadtbahn Friedrichstal mit vielen Zielen in der Region.

Friedrichstal heute

Mit der Gemeindereform 1975 schloss sich Friedrichstal zusammen mit Spöck, Staffort, Blankenloch und Büchig zur neuen Großgemeinde Stutensee,- benannt nach dem zentral gelegenen Rokokoschlösschen- zusammen. 1998 wurde Stutensee, mit nun weit über 20.000 Einwohnern, zur „Großen Kreisstadt“ erhoben.

Die seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft mit der Gemeinde St. Riquier in Frankreich konnte 1982 offiziell besiegelt werden und bildet durch häufige Begegnungen eine lebendige Brücke zur alten Heimat.

Exponate und Texte zur Ortsgeschichte finden sich im Heimat- und Hugenottenmuseum.

Reparaturen und Renovierung im Museum – Teil 2-4

Bei der Fortsetzung unseres Überblicks zum obigen Thema möchten wir darauf hinweisen, dass sich die Aktivitäten über einen Zeitraum von mehr als 5 Jahren hinzogen und noch lange nicht beendet sind. Daher berichten wir auch nur über die wesentlichen Punkte. Wir hatten bisher das Thema nicht angesprochen, da wir immer hofften, die Renovierung zügig angehen und abschließen zu können, um dann alles darzustellen. Der Weg bis heute war steinig, wir hatten dabei jedoch stets die Unterstützung von OV Lutz Schönthal.

Renovierung im Museum – Teil 2

Wasserschaden und Renovierung der Räume

Die ersten Monate 2019 waren die Mitglieder des Museumsvereins mit den Folgen des Wasserschadens in der Küche und deren Neueinrichtung beschäftigt. Im Mai konnten dann am Internationalen Museumstag wieder Besucher empfangen werden. In der Folgezeit gab es kleinere Reparaturen an den Türen, Arbeiten des Elektrikers und den Einbau von Fliegenfenstern im Keller. 

Im November wurde bei einem Gespräch mit Oberbürgermeisterin Petra Becker noch einmal die Notwendigkeit einer Renovierung der Museumsräume festgestellt. Im Februar 2020 erfolgte daraufhin eine Begehung mit dem Bauamt. Eine weitere Besprechung mit dem Bauverwaltungsamt gab es im Juli.

Zuvor hatte die Vorstandschaft ein „Dokument zur Situation des Museums“ erarbeitet und allen Beteiligten zukommen lassen. Nach einem Rückblick auf die vielfältigen Aktivitäten des Museumsvereins wurde darauf hingewiesen, dass die Unsicherheit bei der Terminplanung für die vorgesehene Renovierung und der bisher nicht bekannte Umfang derselben die weitere Gestaltung des Museums blockiere. Zwar konnte von den Akteuren des Vereins eine Reihe von Verbesserungen in den einzelnen Räumen vorgenommen, die Gestaltung der Wände aber vorläufig nicht angegangen werden.

Sitzung im Rathaus und Besprechung mit Bauamt

Im Oktober ergab dann eine Sitzung der Verantwortlichen im Rathaus Folgendes: Im nun fast leeren Speicher werden demnächst die kaputten Dielen ersetzt. In Wohnzimmer, Schlafzimmer und Büro werden Arbeiten durch Bodenleger und Maler durchgeführt. Zu den Renovierungsarbeiten im Flur und im Saal der Picardie sowie in den anderen Räumen wird dann ein Zeitplan erstellt.

Nach einer weiteren Besprechung im November mit dem Bauamt wurde gemeinsam eine Liste der Arbeiten für die erste Phase der Renovierung in den zwei Zimmern der Wohnung sowie im Büro angefertigt.

Es gab dennoch weiterhin eine Reihe von Einzelheiten zu klären, bis vom Verein mit den Vorarbeiten- Ausräumen der drei Räume- angefangen werden konnte. Mitte Dezember begann dann die Malerfirma mit ihrer Arbeit.

Renovierung im Museum – Teil 3

Drei Räume werden renoviert

Wie im Teil 2 erwähnt, wurden Anfang Dezember drei Räume renoviert: Schlafzimmer, Wohnzimmer und Büro. Eine Fachfirma befreite die Böden in den beiden Zimmern durch Abschleifen von der, in vielen Jahrzehnten entstandenen und auf dem üblichen Wege nicht mehr zu reinigenden, Schmutzschicht. Löcher wurden repariert und die Oberfläche der Holzdielen sachgerecht behandelt. Die Farbe änderte sich dadurch von dunkelbraun zu einem hellbraunen Naturton! Der Boden im Büro musste wegen zahlreicher Schäden vollständig erneuert werden.

Die Arbeiten der Malerfirma begannen mit der Entfernung alter Kabelkanäle an der Decke, bevor diese und die Wände gestrichen werden konnten. Danach erfolgte das Lackieren von Heizkörpern und Türrahmen. Verschiedene Restarbeiten in den anderen Räumen der Wohnung werden demnächst erledigt. 

Renovierung im Museum: Das Wohnzimmer
Neu renoviertes Wohnzimmer

Heller und freundlicher

Für das Museumsteam gab es vor und nach der Renovierung viel zu tun. Wegen der Corona- Problematik konnten die Arbeiten meist nur allein oder im Duo bewältigt werden. Zuerst wurden die wertvollen Kleider aus den Schränken geholt und von einer Spezialfirma gereinigt. Die anderen Textilien landeten zum Waschen und Bügeln in den Haushalten der Museumsmitarbeiterinnen. Einen ersten Großeinsatz leistete Familie Borell, die in kurzer Zeit Exponate und Möbelstücke aus den drei Räumen an verschiedene Stellen im Museum transportierte. In den folgenden Wochen gab es zahlreiche Arbeitseinsätze.

Exponate und Möbel wurden gesäubert und mit den entsprechenden Pflegemitteln behandelt. Viele Erinnerungsstücke an alte Zeiten wie z. B. Bettflaschen, Spinnräder oder Kerzenleuchter waren dabei. Bei den Arbeiten stellte sich auch heraus, dass manches nicht mehr für eine Ausstellung geeignet war oder repariert werden musste. 

Stück für Stück wurden danach die Einrichtungsgegenstände- Bett, Schränke, Kommoden, Nähmaschinen, Öfen usw.- wieder in den nun hellen und freundlichen Räumen aufgestellt. Die sorgfältig gereinigten Bilder wie auch der Spiegel zum Waschtisch fanden erneut ihren Platz an den frisch gestrichenen Wänden. Fortsetzung folgt.

Renovierung im Museum – Teil 4

Bei der Neueinrichtung des Wohnzimmers wurde versucht, etwas mehr Bewegungsraum für die Besucher zu schaffen. Es befinden sich jetzt nur noch eine alte Nähmaschine mit Fußpedal und eine kleine mit Handkurbel neben der Handarbeitsvitrine. Der Sessel, der auch für ein historisches Zimmer zu stark ramponiert ist, nimmt viel Platz ein und soll bei Gelegenheit ersetzt werden. Auf dem größeren Schrank befinden sich nun im gepflegten Zustand Reisekorb und -tasche sowie ein Samt- Zylinder in einem hochwertigen Lederkoffer für den Transport. Der in einer Nische stehende Kleiderschrank mit bunter, aber defekter Glasfront konnte dankenswerterweise von einem Unterstützer des Museums renoviert werden.

Im Büro wurde ein Schreibtisch entfernt, und nach langer Suche fand sich auch ein Ensemble aus Bücher- und Kleiderschrank zu einem akzeptablen Preis. Ein Drucker mit Patronen wurde gespendet. Alle im Büro befindlichen Gegenstände, wurden gesichtet, teilweise entsorgt, neu verpackt, oder an anderen Stellen untergebracht. Das Team (Ursula Heckmann, Birgit und Bernd Hofmann, Erich Borell) musste dabei jedes einzelne Stück in die Hand nehmen, die Bedeutung für das Museum einschätzen und den richtigen Platz dafür finden.

Gerade bei den Büchern zum Thema Orts- oder Hugenottengeschichte kam man da gelegentlich ins Schmökern! Wenn die Kleidungsstücke vom Archiv übersichtlich im Kleiderschrank verstaut und die alten Fotos und Urkunden registriert sind, kann das Büro wieder ein funktioneller Arbeitsplatz und Treffpunkt für interessante Gespräche werden.

Hinweis: Das Museum ist bis auf Weiteres geschlossen. Bitte Homepage beachten (Stand: Juni 2021).

Reparaturen und Renovierung im Museum – Teil 1

Aktuell finden im Heimat- und Hugenottenmuseum Renovierungsarbeiten statt, die schon lange geplant waren, aber noch nicht ganz abgeschlossen sind. Drei Räume sind nun heller, übersichtlicher und auch für Besucher attraktiver. Um die Bedeutung dieser Maßnahme besser zu verstehen, ist ein kleiner Rückblick nötig.

1981 wurde in Friedrichstal das neue Schulhaus eingeweiht. Das bisherige, 1873 erbaute alte Gebäude stand ab da für Vereine und das geplante Museum des Heimatvereins zur Verfügung. Die Initiatoren Gustav Gorenflo und Dieter Hengst begannen, zusammen mit anderen, geschichtlich interessierten Mitgliedern des neugegründeten Vereins, das Museum in den Räumen des Ostteils einzurichten. Es wurde 1984 eingeweiht.

Allerdings mussten die ehemaligen Unterrichtssäle und die Lehrerwohnung so übernommen werden, wie sie von der Schule vorher verlassen wurden- ohne Renovierung. In den Bereichen mit niedriger Höhe wie z. B. im unteren Flur konnten Wände in Eigenarbeit gestrichen werden, andere Maßnahmen waren nicht möglich.

Nach der 300- Jahrfeier wurde das Museum um einen zusätzlichen, schön gestalteten Raum erweitert.

Im Laufe der Jahre zeigte sich jedoch, dass alle Räume renovierungsbedürftig waren. Auch die sorgfältige Darstellung der verschiedenen Themenbereiche konnte das nicht mehr verdecken. Die Wände waren verschmutzt, die Decken dunkel, die Beleuchtung unzureichend und die Böden uneben und löchrig. 

Im Februar 2016 fand eine erste Begehung des Museums mit dem damalige Ortsvorsteher Kurt Gorenflo statt. Der Verein erstellte dazu eine Liste der notwendigen Reparaturen und Renovierungsarbeiten. Nun wurden zwar die jahrzehntealte Toilettenschüssel und ein Waschbecken ersetzt sowie zwei Türen repariert, aber danach dauerte es wieder einige Zeit, bis auch sicherheitsrelevante Elektrikerarbeiten stattfanden.

In der Folge gab es unzählige Telefonate, Mails und Besprechungen, z. B. auch mit Ortsvorsteher Schönthal, der 1. Bürgermeisterin, Frau Tröger, und Vertretern des Bauamts. Nach Absprache mit diesen konnte mit Hilfe des Bauhofs der feuchte Keller im Februar 2018 von den Mitarbeitern der Stadt in einer aufwendigen Aktion von den dort gelagerten, leider stark verschimmelten, Exponaten befreit werden. 

Im Mai fand der Speicherflohmarkt des Vereins statt. Das erleichterte es dem Bauhof, den Speicher danach zu einem großen Teil zu entrümpeln. Eine Reparatur der vielen beschädigten und damit für die Begehung gefährlichen Dielen war anschließend vorgesehen.

Dennoch war es nicht möglich, nun mit der Renovierung zu beginnen, denn ein heftiger Wasserschaden im Oktober in Küche und Treppenhaus- wir berichteten- beschäftigte mit seinen Folgemaßnahmen die Mitglieder des Vorstands über mehrere Monate.

Hinweis: Das Museum ist bis auf Weiteres geschlossen. Bitte Homepage beachten (Stand: März 2021) .

Stille im Museum: Offerta

Stille im Museum – Ein Jahr Corona

Seit fast einem Jahr ist das Museum nun wegen Corona geschlossen. In den Monaten davor herrschte jedoch besonders lebhafter Betrieb. An den üblichen Öffnungstagen genossen die Besucher die typische, entspannte Museumsatmosphäre. Sie schlenderten durch die Räume, ließen die Exponate und Texttafeln „reden“ oder führten ein informatives Gespräch mit den anwesenden Mitgliedern des Vereins zum Thema Hugenotten- und Ortsgeschichte.

Die Teilnehmer des Projekts „Alte Kinderspiele“ und auch weitere Gruppen aus Schulen und Kindergärten erfüllten das ehemalige Schulhaus mit ihrer Lebendigkeit. 

Es war immer wieder erfreulich zu sehen, wie offen und begeistert Kinder auf die alten Gegenstände des Alltags reagierten und z. B. das Ausprobieren einer Kaffeemühle lautes Gelächter hervorrief.

Der Tag des offenen Denkmals im Herbst zog interessierte Besucher an, und bei der Kerwe war zwischen Führungen im alten Ortsteil und dem Vortrag über die Hugenottengeschichte ein leiseres Geräusch zu hören- das Surren eines Spinnrads. Zwei Damen zeigten den Besuchern, wie früher aus Wolle Fäden gesponnen und zu allerlei Warmem für die Winterszeit verarbeitet wurden.

Lautes Stimmengewirr bildete den Hintergrund an den drei Tagen im November, an denen sich der Museumsverein auf der Offerta am Stand der Stadt Stutensee präsentierte. Die historische Schulbank mit verschiedenen Unterrichtsmaterialien wurde gerne ausprobiert, und interessante Kontakte konnten geknüpft werden.

Am Weihnachtsmarkt war das Museum wie immer geöffnet, und als Kontrast zur Sonderausstellung zum 2. Weltkrieg erklangen vom Marktplatz die friedlichen Weihnachtsmelodien herüber. 

Dass es im Alten Schulhaus im Augenblick so still ist, liegt auch daran, dass zwar zahlreiche Arbeiten geleistet werden- Restaurierung von Exponaten, Sichtung der Bestände oder auch die Umstrukturierung des Büros-, dies aber in der momentanen Situation nur allein oder im familiären Team erfolgen kann. Wir hoffen, dass demnächst wieder das Museum mit hörbarem Leben erfüllt sein wird.

Bild: Kassier Bernd Hofmann auf der Offerta

Höhnischer „Gefrierfleischorden“ – Bericht in der BNN

Die Badischen Neuesten Nachrichten hat in ihrer Ausgabe vom 4. Februar 2020 über die Sonderausstellung im Friedrichstaler Oskar-Hornung-Haus anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs  berichtet. Hier die Zusammenfassung des Artikels Höhnischer „Gefrierfleischorden“.

Stutensee-Friedrichstal (awe). Eigentlich ging die Sonderausstellung im Friedrichstaler Oskar-Hornung-Haus schon anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs im Spätjahr in Betrieb. Doch handelte es sich dabei noch um einen Grundstock. Exponate gingen im Werden weiter bis jetzt ein. Dennoch handelt es sich um eine vergleichsweise kleinere Schau. Sie steht dafür, wie schwierig es war, in großem Umfang Material zusammenzutragen.

„Wir hatte keine allgemeine Ausstellung zum Krieg im Sinn, sondern wollten zeigen, was direkt im Ort geschah“, berichtet Dieter Hengst. Insofern wählte man den Titel „Die Friedrichtaler während des Kriegs“, um bei Mitgliedern des Hugenotten- und Heimatvereins sowie weiteren Bürgern Zeitzeugnisse zu finden. Weggeworfen worden sei eh viel in den Jahren, resümiert stellvertretender Vereinsvorsitzender Hengst. Doch besonders erschwert habe die Suche, dass die Menschen beim Einmarsch der Franzosen an Ostern 1945 aus Angst Relikte des Dritten Reichs vernichteten. Sie hätten Uniformen, Mützen oder Nazibilder verbrannt und Waffen in den Mist geworden, weiß Hengst. Stahlhelme seien etwa zu „Pfuhlschapfen“ umgebaut worden und hätten dann als Schöpflöffel für Gülle gedient. 

Hengst ist sozusagen ein wandelndes Ortsgeschichtsbuch. Das manifestiert sich ebenso an den beiden großen Tafeln mit Text in heutiger Druck- und Frakturschrift, die in die Schau einführen. Die Bevölkerung habe auch in Friedrichstal genau gewusst, was man damals sagen durfte und was nicht, ist da zu lesen. War trotzdem einer nach reichlich Alkohol am Stammtisch zu vorlaut oder kritisch, habe er sich schnell im Gefängnis wiedergefunden. Das geschah auch im Ort, als Bürgermeister Wilhelm Albert Borell seines Amtes enthoben und durch einen Parteigenossen ersetzt wurde. Stimmzettel von der Reichtagswahl im November 1932 künden von dem nahe bevorstehenden Unheil, das über das Land hereinbrach. Nazizeitungen in Originalen und Nachdrucken bezeugen, wie Pluralismus ausgemerzt wurde und Propaganda triumphierte. Dazurechnen kann man ebenso den alten Volksempfänger in einer Vitrine. 

Uniform eines Militärarztes

Präsentiert werden eine beachtliche Anzahl von Urkunden und Orden. Zur Ostmedaille fallen Hengst einige Geschichten ein. „Gefrierfleischorden“ sei er genannt worden, erzählt er und von Einheimischen, die auf dem Feldzug schwere Erfrierungen erlitten oder als Opfer der Kälte auf dem Feld der Ehre starben. An das Schicksal des Militärarztes Hengst erinnert eine Uniform. Der Doktor wurde eingezogen und kam vermutlich an Fleckfieber erkrankt bei der Schlacht in Stalingrad ums Leben. Ehrenzeichen wie die Ostmedaille oder das Ritterkreuz wirken da wie der blanke Hohn. Auch eine Urkunde zu einer anlässlich der „Wiedervereinigung“ mit Österreich 1938 gestifteten Medaille oder ein Gedenkblatt für Verdienste im Reichsarbeitsdienst fanden sich. Allerlei Postkarten, Fotos aus dem Krieg oder von Kriegshochzeiten ließen sich auftreiben, ein Wehrpass oder die Uniform eines Marineangehörigen. Die Tochter eines in Friedrichstal zugezogenen Fliegers trug ein Stukka-Modell bei. Einen Einheimischen verschlug es zum Feldzug in Nordafrika. Von ihm aber wurden keine Zeitzeugnisse entdeckt. So erinnern an diesen Schauplatz lediglich Zeitungsausschnitte.

Der Krieg wurde jedenfalls hautnah in den Ort getragen. Die jungen Männer wurden eingezogen und mit dem Kriegsverlauf häuften sich die eingehenden Todesnachrichten. „Ostern 1945 war für Friedrichstal der Krieg zwar vorbei, allerdings noch nicht die damit verbundene Leidenszeit“ heißt es auf den Tafel. „Beim Einmarsch der Franzosen, meist Marokkaner, kam es zu zahlreichen Plünderungen und Vergewaltigungen.“

Info:

Die Schau „Die Friedrichtaler während des Kriegs“ ist während der üblichen Öffnungszeiten des Friedrichstaler Hugenottenmuseums jeden ersten Sonntag eines Monats von 11 Uhr bis 16 Uhr zu sehen. Besichtigungen auch nach Vereinbarung telefonisch unter (0 72 49) 60 75 bei Erich Borell. 

Foto: Werner

Heimatgeschichte ist eine Passion von Dieter Hengst. Diese Leidenschaft ließ er auch in die Schau „Die Friedrichtaler während des Kriegs“ im örtlichen Heimatmuseum einfließen. 

Foto2: Werner

Nur eine Uniform blieb vom einheimischen Militärarzt, der vermutlich in der Schlacht von Stalingrad ums Leben kam. 

Alte Kinderspiele

Alte Kinderspiele im und ums Museum

Das Modellprojekt „Bildungshaus“ ist eine Initiative des Kultusministeriums Baden- Württemberg. Auch die Friedrich- Magnus-Schule in Friedrichstal nimmt daran teil. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Kindergarten steht dabei im Vordergrund. Gemeinsame Lern- und Spielzeiten sind zentrale Elemente.

Kinderspiele aus der Zeit um 1540

Der Abschluss des diesjährigen Projekts fand an zwei Terminen im Heimat- und Hugenottenmuseum statt (16. und 23. Juli). Nach einer kleinen Einführung in die ungewohnte Umgebung- das alte Schulhaus, jetzt ein Museum- durften sich die Schul- und Kindergartenkinder (2. Klasse, letztes Kindergartenjahr) ein bekanntes Bild ansehen.

Alte Kinderspiele
Bild von Pieter Brueghel

Es stammt von dem niederländischen Maler Pieter Brueghel und zeigt 91 Kinderspiele aus der Zeit um 1540. Mit erstaunlicher Konzentration und Geschwindigkeit fanden die Kinder Spiele wieder, die es jetzt noch gibt oder aus der Zeit der Großeltern überliefert sind- z. B. Stelzenlaufen, Reifen schlagen oder „Blinde Kuh“.

Auf dem Weg zum Geschichtsverständnis

Das große Modell des Stutenseer Schlosses und ein altes Spinnrad boten dann Anlass, das Singspiel „Dornröschen“ aufzuführen. Es war ein ungewohntes und schönes Bild- fröhlich tanzende Kinder in einem Saal des Museums! Auf diese Weise erlebten die kleinen Gäste, dass ein Besuch in einer solchen Einrichtung interessant und unterhaltsam sein kann und sich die Erforschung der weiteren Räume, auch mit den Eltern, sicher lohnt- ein erster Schritt auf dem Weg zum Geschichtsverständnis.

Alte Kinderspiele
Alte Kinderspiele (1)

Auf diese Weise erlebten die kleinen Gäste, dass ein Besuch in einer solchen Einrichtung interessant und unterhaltsam sein kann und sich die Erforschung der weiteren Räume, auch mit den Eltern, sicher lohnt- ein erster Schritt auf dem Weg zum Geschichtsverständnis

Alte Spiele unter Anleitung

Anschließend konnten im Freien an verschiedenen Stationen alte Spiele unter Anleitung ausprobiert werden. Murmeln wurden gerollt, Boulekugeln geworfen, „Himmel und Hölle“ durchhüpft, und auch der modernere Gummitwist fand großen Anklang. An der Ruhebank durften dazu Kreisel gedreht werden, und beim Seifenblasen staunten die Kinder, wie die in allen Farben des Regenbogens schillernden Gebilde in der warmen Sommerluft zerplatzten.

Alte Kinderspiele
Alte Kinderspiele (2)

Folgende Akteure haben das Projekt vorbereitet und durchgeführt:

  • Museum: Ursula Heckmann
  • Turnverein: Birgit Hofmann
  • Schule: Gabi Bisoli, Verena Virzi
  • Kindergarten: Regina Erath, Gabi Leisk

Bericht zur Jahres-Hauptversammlung 2019

Wasserschaden brachte viel Arbeit

Bei der Jahreshauptversammlung des Museumsvereins berichtete der 1. Vorstand Erich Borell über zahlreiche abgeschlossene Maßnahmen im Museum und noch laufende Projekte. 

Am 25. 7. 2018 musste eine außerordentliche Mitgliederversammlung wegen einer Satzungsänderung einberufen werden. Sie wurde dann durch das Amtsgericht bestätigt, so dass diese langwierige Angelegenheit nun abgeschlossen werden konnte.

Zu den Sonderöffnungszeiten wie Tag des offenen Denkmals, Kerwe und Weihnachtsmarkt kamen viele Gäste in das Museum. Besonderen Anklang fand der Internationale Museumstag mit Speicherflohmarkt. Die Besucher durften im Speicher stöbern und überzählige Gegenstände erwerben. Auch vor und nach diesem Termin konnten weitere Exponate abgegeben werden.

Die Führungen durch das Museum waren sehr gefragt– Gruppen privater Art, Kindergärten, Freunde aus der Partnerschaft Saint Riquier sowie die neue Oberbürgermeisterin Frau Becker waren dabei.

Artikel in den Medien und die von Martin Heckmann gepflegte Homepage unterstützten die Öffentlichkeitsarbeit.

Dadurch ergaben sich auch verschiedene Anfragen aus den USA zur Ahnenforschung, die nicht immer leicht zu beantworten waren. Eine zentrale Sammlung, digitale Sicherung und Archivierung von historischen Urkunden, Bildern, Texten und Berichten zur Orts- und Familiengeschichte wäre eine wichtige Aufgabe für die Zukunft- so die Schriftführerin Ursula Heckmann. In ihren Ausführungen wies sie auf die Maßnahmen zur Verbesserung der Dauerausstellung des Museums hin. Eine Beratung dazu erfolgte vor Ort durch Herrn Dr. Burkardt von der Museumsberatungsstelle des Landes Baden- Württemberg, der wichtige Impulse zu den verschiedenen Anliegen des Museumsvereins gab.

Im „Neuen Saal“ konnten nun zwei von Kerstin Aberle gefertigte Teile aufgebaut werden- das Podest für das Modell des kleinen Kirchleins und der Schrank zur Ummantelung des Waschbeckens.

Eine größere Aufgabe war die schon länger geplante und mit der Baubürgermeisterin Frau Tröger abgesprochene Entrümpelung des Speichers. Nach Kennzeichnung der noch zu verbleibenden Gegenstände konnte eine Alteisenfirma die schweren Metallgegenstände mitnehmen. Anschließend erfolgte an zwei Tagen die restliche Leerung durch den Bauhof.

Was die Mitglieder des Vorstands aber ein halbes Jahr intensiv beschäftigte, war der Wasserschaden in Küche und Treppenhaus. Nachdem, bedingt durch einen defekten Heizkörper, Wasser in das Erdgeschoss floss, galt es vielseitige Maßnahmen zu ergreifen: Termine mit Vertretern der Stadt, des Bauamts, des Bauhofs, der Versicherung und der Sanierungsfirma. Arbeiten wie Trocknung, Abtragen des Putzes, Streichen und Reinigen wurden vom Verein vor Ort begleitet. Auch das vom 2. Vorstand Dieter Hengst betreute Aus- und Einräumen der Küche, die Reinigung der Exponate und die Neugestaltung waren aufwändige Arbeiten. Aus verschiedenen Gründen verzögerte sich die Sanierung leider mehrmals, so dass das Museum erst zum Internationalen Museumstag im Mai wieder eröffnet werden konnte.

Die Kontakte zur Stadt verstärkten sich in den letzten Monaten. Frau Gatzke, Mitarbeiterin von OB Becker, war für uns auf einer Tagung zum Thema Zukunft der Heimatmuseen- die Ergebnisse müssen noch ausgewertet werden. Zusammen mit Herrn Stiegeler unterbreitete sie auch das Angebot, gemeinsam mit den beiden anderen Heimatvereinen, zeitweise den Stand der Stadt auf der Offerta zum Thema Geschichte/Ortsgeschichte zu betreuen. Die Planungen laufen gerade an.

Ein erfreulicher Punkt der Tagesordnung war die Neuwahl des Kassiers. Mit Bernd Hofmann hat ein erfahrener Bankfachmann das Amt übernommen, so dass Erich Borell, der den Posten kommissarisch verwaltete, entlastet werden konnte.

Oberbürgermeisterin zu Besuch im Heimatmuseum

Hohe Dichte an Aktivitäten

Ein Rückblick auf die letzten Monate des vergangenen Jahres zeigt auf, wie dicht sich die Aktivitäten des Vereins aneinanderreihten. Der „Tag des offenen Denkmals“ mit Museumsflohmarkt, Kerwe und Weihnachtsmarkt lockten zahlreiche Gäste ins Museum. Dazu gab es verschiedene Führungen mit Gruppen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Besuch der Oberbürgermeisterin

Auf Einladung des Heimatvereins stattete die Stutenseer Oberbürgermeisterin im Dezember dem Museum einen Besuch ab. In entspannter Atmosphäre konnte sich Petra Becker in den ehemaligen Schulräumen umsehen, in welchen sie ihre Grundschulzeit verbrachte. Viele Erinnerungen wurden dabei aufgefrischt, über Namen von Mitschülern und Lehrern nachgedacht und im historischen Klassenzimmer Fotos, Bücher und Hefte von vorausgegangenen Schülergenerationen betrachtet.

Besonders die Exponate der Ortsgeschichte, wie z. B. die Amtskette der früheren Bürgermeister, stießen bei der Besucherin auf großes Interesse.

Oberbürgermeisterin Petra Becker

Kultur fördern

Im anschließenden Gespräch mit dem Vorstand des Museumsvereins, Erich Borell und der Schriftführerin Ursula Heckmann erläuterte die Oberbürgermeisterin ihre Gedanken und Pläne, welche den Ortsteil Friedrichstal betreffen. Ein besonderes Anliegen ist ihr, den Bereich der Kultur zu fördern und dabei auch die historischen Zusammenhänge bei der Entwicklung der einzelnen Ortsteile sowie der Stadt Stutensee ins Blickfeld zu stellen.

Wichtig sei ihr daher die Zusammenarbeit aller Institutionen sowie die Einbeziehung der Heimatvereine. Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass bei diesen Vorhaben das Heimat- und Hugenottenmuseum ebenfalls eine entsprechende Rolle spielen kann.

Zum Abschluss wurde Frau Becker noch eine Mappe mit Bildern und Texten zur Geschichte der Hugenotten, der Ortsgeschichte und Vorschlägen zur Weitergestaltung des Museums überreicht.

Bericht über den Speicher-Flohmarkt in der BNN

Die Badischen Neuesten Nachrichten hat in ihrer Ausgabe am 14. Mai 2018 über den Speicher-Flohmarkt beim Museumsverein in Friedrichstal berichtet. Hier die Zusammenfassung des Artikels „Klarinette als Dekorationsstück“.

Klarinette als Dekorationsstück

Speicher-Flohmarkt beim Museumsverein in Friedrichstal

Stutensee-Friedrichstal (hom.) Das war ein Schnäppchen: Theo Jungmann aus Leopoldshafen ist passionierter Flohmarkt-Gänger. Im Heimat- und Hugenottenmuseum Friedrichstal hat er eine Klarinette und weiteren Krimskrams wie etwa alten Christbaumschmuck gefunden und für 20 Euro erworben. Bei dem Instrument testet er, ob es noch bespielbar ist. Ansonsten kommt es zur Dekoration an die Wand. Eine Frau wäre an dem weihnachtlichen Schmuck auch interessiert gewesen, aber da hatte er den Besitzer bereits gewechselt. Auch ein Zieheisen für die Schnitzbank oder ein Spinnrad hat sie nicht gefunden. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Erich Borell, meinte hierzu, man dürfe nicht gezielt zu einem Flohmarkt kommen. Ohne besondere Wünsche finde man ganz bestimmt eher etwas. Wie es der Frau denn doch erging. Bei Schriftführerin Ursula Heckmann, die an der Kasse saß, konnte sie aus den Beständen eines aufgelösten Karlsruher Hutgeschäfts günstig ein Strohhütchen erwerben, das ihr nach einhelliger Auffassung gut stand.

Das Museum im Oskar-Hornung-Haus nutzte den gestrigen Internationalen Museumstag, um einen Speicher-Flohmarkt zu veranstalten. Die Lagerstätten des Hauses sollten von vielen Dingen befreit werden, die sich in der Vergangenheit angesammelt hatten und doch nicht in die Sammlungen zur Ausstellung passten. Zusammen gekommen waren sie auf ganz unterschiedliche Weise, wie die ehemalige Lehrerin Ursula Heckmann zu berichten wusste. Da war etwa die Sammelleidenschaft des Museumsgründers Gustav Gorenflo. Oder Dinge, die ihm oder dem Museum gebracht wurden. Oder Schenkungen. Weiteres ist auf vielfältige andere Art in den Besitz des Museums gekommen und stand nun zum Verkauf.

Wie etwa zahlreiche alte Röhrenradios oder Kinder- und Puppenwagen und verschiedene Utensilien der einstmals in Friedrichstal ansässigen Tabakindustrie. Oder fußbetriebene Nähmaschinen. Deren hölzerne Hauben auf Interesse stießen, die aber nicht einzeln zu haben waren. Sicherlich nicht im Sinne der Museumsleute war der Hinweis, dass es solche Überdeckungen bei eBay gibt.

Borell und Heckmann freuten sich, dass trotz nicht gerade ansprechenden Wetters der Publikumszuspruch von Anfang an gut war. Den während der sechs Stunden erzielen Erlös – er lag pro Verkauf zwischen einem und 60 Euro – wollen sie dazu nutzen, neue Prospekte für das Museum zu fertigen, zwei Podeste für besondere Ausstellungsstücke herstellen zu lassen, die Beschriftungen an een Exponaten lichtfester zu gestalten und die Einrichtungen insgesamt ansprechender zu gestalten.

Text: Rüdiger Homberg

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STOLZ AUF DIE ALTE KLARINETTE: Theo Jungmann hat das Instrument und weiteres beim Friedrichstaler Speicher-Flohmarkt gekauft. Foto: Homberg

Bericht zur Jahres-Hauptversammlung 2018

Jahreshauptversammlung des Museumsvereins 2018

Arbeitsreiches Jahr 2017

Das vergangene Jahr war für den Museumsverein sehr arbeitsreich, berichtete der 1. Vorstand, Erich Borell. Das Museum konnte zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten an sechs weiteren Tagen bzw. Wochenenden besucht werden- z. B. am Marktplatzfest.

Die Schriftführerin Ursula Heckmann erklärte, dass bei dieser Gelegenheit auch der neue Flyer- ein Gemeinschaftsprojekt von Partnerschaftsausschuss (Saint Riquier) und Museumsverein– vorgestellt wurde. Dort ist nun auch das neugestaltete Logo eingefügt, ebenso wie auf der Homepage, auf Facebook und verschiedenen Drucksachen.

Verbesserung der Dauerausstellung

Die weitere Verbesserung der Dauerausstellung hatte ihren Schwerpunkt im Saal der Picardie, wo in den Vitrinen und an den Stellwänden die Exponate ergänzt und neu dekoriert wurden. Dazu erhielten unter anderem ein schöner Waschtisch und ein historisch interessanter Spiegel ihren Platz in den Wohnräumen.

Eine schon sehr lange angebahnte Maßnahme fand nun im Frühjahr ihren Abschluss – die vollständige Räumung des feuchten Kellers mit den dort gelagerten Gegenständen. Der Innen- wie auch der Außenhof konnten durch die Gemeindearbeiter von Wildwuchs und Schutt befreit werden. Weitere Maßnahmen sind ebenso bezüglich des Speichers geplant.

Weiterführung der Heimatblätter

Die von Dieter Hengst herausgegebenen Heimatblätter sollen in loser Folge weitergeführt werden. Es ist vorgesehen, dazu und für weitere historische Darstellungen die vorhandenen Dokumente und Fotos nicht nur aus dem Museum sondern möglichst auch aus dem Besitz Friedrichtaler Bürger zu digitalisieren.

Um das Interesse der Neubürger an der Ortsgeschichte zu wecken, hatten Ortsvorsteher Lutz Schönthal und der Museumsverein diese und weitere Besucher der Kerwe zu Führungen im alten Ortsteil eingeladen, die gut angenommen wurden.

Erfolgreiches Tabakprojekt

Das Projekt Tabak war auch im vergangenen Jahr erfolgreich, das „Spektakulum Lenin in Stutensee“ wurde tatkräftig vom Verein unterstützt und die Baumaßnahmen am alten Standpunkt des Karlsfeld- Denkmals brachten eine alte Münzkassette zutage.

Neue Zusammensetzung der Vorstandschaft

Die Neuwahlen ergaben folgende Zusammensetzung der Vorstandschaft:
1. Vorsitzender: Erich Borell
2. Vorsitzender: Dieter Hengst
Schriftführerin: Ursula Heckmann
Beisitzer: Ewald Ratz, Luitgard Mitzel, Edgar Herlan, Hans Böhm

Der langjährige Kassier Herbert Scheid gab bedauerlicherweise sein Amt aus zeitlichen Gründen ab- der 1. Vorsitzende wird es vorläufig kommissarisch verwalten.

Vorankündigung: Am Internationalen Museumstag, Sonntag, 13. Mai, ist das Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Bericht über das Tabakprojekt in der BNN

Die Badischen Neuesten Nachrichten hat in ihrer Ausgabe am 29. Dezember 2017 über das Tabakprojekt des Heimatmuseums Friedrichstal berichtet. Hier die Zusammenfassung des Artikels „Tabakexperten gesucht“.

Tabakexperten gesucht

Eine Projektgruppe möchte das Wissen über die Zigarrenproduktion erhalten

Stutensee-Friedrichstal (ml). Zufrieden begutachten Ursula Heckmann, Edgar Herlan, Lutz Schönthal und Erich Borell den Trocknungsgrad der aufgehängten Tabakblätter. Optimal getrocknet aber noch geschmeidig genug, um nicht brüchig zu werden, präsentiert sich das Erntegut aus den Jahren 2016 und 2017. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Quartett die Projektgruppe Tabak gegründet, mit dem Ziel, den Tabakanbau in Friedrichstal nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Lutz Schönthal hatte Samen besorgt und im eigenen Garten Pflanzen gezogen (wir berichteten). Blatt für Blatt wurden die Stängel abgeerntet, die Blätter sachkundig eingefädelt und zum Trocknen aufgehängt.

Dann kam die Schwierigkeit. Sind die Blätter im richtigen Trockenheitsgrad, müssen sie fermentiert werden. Denn nur durch diesen Prozess der Gärung bei einer gleichbleibenden Temperatur von 50 bis 60 Grad Celsius über mehrere Wochen entwickeln sich die typischen Tabakaromen. Es gibt durchaus Firmen in Tabakanbaugebieten, die das übernehmen, aber die Menge, die die vier Hobby-Tabakbauern aus ihrem Projekt ernten konnten, war viel zu klein, um sortenrein verarbeitet zu werden. Aber ein Zusammenmischen mit anderen Sorten war von beiden Seiten nicht erwünscht. Also blieb der Tabak zunächst hängen. In diesem Jahr wurde das Experiment fortgesetzt und wiederum gedieh alles prächtig bis zu diesem Stadium.

„2016 und 2017 brachten eine gute Ernte.“

Nun hängen die Bündel in der Scheune und gerne würden sich die vier Amateure beraten lassen, wo und auf welche Weise sie ihren Tabak fermentieren lassen könnten und darüber hinaus weitere Interessierte zu ihrem Projekt dazugewinnen. Wer Erfahrungen hat und die Gruppe unterstützen möchte, wird gebeten, über die homepage des Museums Kontakt aufzunehmen. Sollte es tatsächlich gelingen, so wäre der nächste Schritt, Zigarren aus ganzen Blättern zu rollen. „Unser Ziel ist“, sagt Lutz Schönthal, „das Wissen um den Tabakanbau und die Verarbeitung zu erhalten und an die kommenden Generationen weiterzugeben.“ „Und die einstige Bedeutung Friedrichstals als eine der größten Tabakanbaugemeinden der Region herauszustellen“, ergänzt Ursula Heckmann.

Sie, Edgar Herlan und Erich Borell betreuen das Heimat- und Hugenottenmuseum, das dem Thema eine komplette Abteilung widmet. Hier wird gezeigt, wie Zigarren gerollt werden, welches Werkzeug dazu benötigt wird, an einer Litfaßsäule hängen entsprechende Fotos und Texte, die die einzelnen Arbeitsgänge schildern. „Der Tabak hat die Menschen das ganze Jahr beschäftigt“, erinnert sich Edgar Herlan. „Säen, Pikieren, Auspflanzen, Ernten macht das ganze Jahr über viel Arbeit“. Legendär und sinnbildlich für Neulinge, die zum ersten Mal vom Tabakanbau erfahren, ist das Einfädeln. Hier sitzen Frauen und manchmal auch größere Kinder im Kreis und fädeln die Tabakblätter auf lange Schnüre zum Aufhängen, wobei gesungen, erzählt und gelacht wurde. Gern würde die Gruppe weitere Mitstreiter aufnehmen und ihr Versuchsprojekt im dauerhaften Austausch festigen und weiterentwickeln.

Tabakexperten gesucht: Erich Borell beim "Einfädeln"
Erich Borell beim „Einfädeln“